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www.freikon.de/liechtenstein20041126.html Aufsätze: Sicherheit Terrorismus ist der Krieg des 21. Jahrhunderts – Europas Abwehrkraft muß gestärkt werden Agenten an die Front! – Lebende Bomben – Glimmende Brandsätze – Die „weichen“ Terrorziele – Geheimer Aufmarsch – Schwarzmarkt des Todes – Schattenreich der Geheimdienste – Sinnvoll wäre die Schaffung einer (nach dem Muster des amerikanischen Heimatschutzministeriums organisierten) europäischen Zentrale für Terrorismusbekämpfung – Verbrechen entstehen im Kopf: Psychologie des Terrors – Fanatiker aus der Wüste: Die wahhabitische „Todesideologie“ erweist sich als geistiger Nährboden der Al Kaida – Der Sieg der Konservativen in den USA bestätigt den konsequenten Kurs von George W. Bush im Weltkrieg gegen den Terror Einer der Gründe, warum George W. Bush die Wahl am 2. November 2004 für sich entschied, war seine Feldherrenrolle im Weltkrieg gegen den Terror. Trotz der Irritationen in Zusammenhang mit dem Irak blieb Bush glaubwürdig. Seine Grundlinie, daß nur ein starkes Amerika den neuen Herausforderungen gewachsen ist, entspricht dem Willen der Mehrheit. Gewiß ist der Terror ein komplexes Phänomen mit vielen Facetten, die verstanden werden müssen, um ihn nachhaltig bekämpfen zu können. Dennoch bleibt die Einsicht richtig, daß Schwäche und mangelnde Wachsamkeit zur Niederlage führen. Terrorismus ist der Krieg des 21. Jahrhunderts. Er findet im Dunklen statt. Vor diesem Hintergrund werden die schrillen Töne verständlich, mit denen der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed El Baradei, vor möglichem Atomterror warnt. „Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um dem neuen Phänomen namens nuklearem Terrorismus zu begegnen“, betonte er am 8. November 2004 zum Auftakt einer Sicherheitskonferenz in Sydney. Die Verhinderung eines möglichen Anschlags mit nuklearem Material drohe zu einem „Wettlauf gegen die Zeit“ zu werden. Nach dem 11. September 2001 sei klar geworden, daß die Terroristen ihre Strategie verfeinert hätten und „Interesse an radioaktivem Material“ zeigten, sagt El Baradei. Es ist nachvollziehbar, wenn die USA bestrebt sind, die Nuklearprogramme von Staaten wie Nordkorea oder Iran einzubremsen, bevor es zu spät ist. Was noch alles auf uns zukommt, steht in den Sternen. Vielleicht explodiert eine im Koffer transportierte Mini-Atombombe mitten in New York. Mario Puzo hat dies in seinem Thriller „Der vierte K.“ schon vorweggenommen. Mit satirischem Galgenhumor läßt sich sagen, daß die Zukunft auch nicht mehr ist, was sie einmal war. Mordinstrumente aller Art – auch Massenvernichtungswaffen – werden auf einem wachsenden Schwarzmarkt des Todes feilgeboten. Daran beteiligen sich laut El Baradei „geschäftstüchtige Nuklearexperten, skrupellose Firmen und womöglich Staatsorgane“ in Osteuropa und in Entwicklungsländern. „Die Welt ist eine Pulverfabrik, in der das Rauchen nicht verboten ist“, schrieb Friedrich Dürrenmatt. Der kürzlich in London gefaßte britische Al-Kaida-Chef Abu Musa al-Hindi war nach Einschätzung von US-Geheimdienstbeamten in die Anschläge vom 11. September 2001 in New York verwickelt. Fieberhaft wird nachgeforscht, mit welchen Leuten er zusammentraf. Fest steht, daß er eine Terroristengruppe anführte, die in der amerikanischen Finanzmetropole unter anderem die Wall Street ausspioniert hat. Wie Hunde nach geeigneten Plätzen suchen, um ihre Exkremente an Laternenpfählen fallen zu lassen, so suchen die Bombenleger der Al Kaida nach Zielen, an denen sie ihre Sprengsätze hinterlassen. Der Aufenthalt der von der Polizei unschädlich gemachten Terroristengruppe in England diente offenbar einem ähnlichen Zweck wie zuvor die Reisen von Abu Musa al-Hindi nach New York. An Selbstmordattentätern mangelt es nicht. Lebende Bomben warten auf ihren Einsatzbefehl. Der illegale Waffenhandel blüht. Nach England wurden kleine Raketen geschmuggelt, die wahrscheinlich dafür bestimmt sind, Passagiermaschinen abzuschießen. War nach dem Blutbad von Madrid das nächste Massaker in London geplant? Indizien sprechen dafür. Ein vertrauliches Polizeidokument, das den Behörden rätselhafterweise verloren ging und von einem Geschäftsmann gefunden wurde, jagt einem die Gänsehaut über den Rücken. Das Geheimpapier liest sich wie eine Anleitung für Terroristen. Die Polizei beschreibt darin alle Schwachstellen und Sicherheitslücken des Großflughafens London-Heathrow. Was geht in den Köpfen der blindwütigen Todesboten vor? Und warum stammen auffallend viele – einschließlich ihres Chefs Osama Bin Laden – aus Saudi-Arabien? Wer die Psychologie des Terrors verstehen will, muß nach den geistigen Wurzeln suchen. In Saudi-Arabien sieht man das Konterfei von Osama Bin Laden sogar auf Displays von Mobiltelefonen. Junge Leute verehren ihn als „Helden“ im Kampf gegen die vermeintlichen Feinde des Islam in der westlichen Welt. Saudi-Arabien ist das Ursprungsland einer der radikalsten muslimischen Splittergruppen: Die um Osama Bin Laden versammelten Fanatiker finden dort viele Sympathisanten, weil ihnen der Stallgeruch des Wahhabismus – der im Öl-Königreich vorherrschenden fundamentalistischen Glaubensrichtung – anhaftet. Ideen haben Konsequenzen. Auch Irrlichter des Geistes. In den Oasen zwischen Rotem Meer und Persischem Golf entstand vor einem Vierteljahrtausend die extremistische Wahhabiten-Sekte. Rückständiges, mittelalterlich anmutendes Denken kennzeichnet diese von Abd Al Wahhab begründete Lehre, nach der heute noch Frauen zu steinigen sind, sobald man ihnen Ehebruch vorwirft. Diese „Todesideologie“ nistet bis in die Gegenwart in den Köpfen vieler Wüstensöhne. Saudi-Arabiens geistiges Klima erweist sich als Nährboden des Terrorismus. Noch vor drei Jahrzehnten stimmten Muslime, Juden und Christen darin überein, Selbstmord als schwere Sünde zu verurteilen. Dann gelangte Chomeini in Teheran an die Macht und stellte alles auf den Kopf. Mit seiner Autorität als Groß-Ajatollah und Revolutionsführer verkündete er: Wer „Ungläubige“ (gemeint sind alle Nichtmoslems) mit in den Tod reißt und dabei sein Leben opfert, gilt als Märtyrer und wird von Allah belohnt. Die Wahhabiten und andere sunnitische Islamisten übernahmen diese abwegige Lehre. Mekka und Medina wurden 1806 von den Wahhabiten erobert. Ägyptische Soldaten, die der türkische Sultan in Marsch setzte, trieben die Fanatiker damals in die Wüste zurück. In der Oase Riad schlugen sie ihr Hauptquartier auf. Als das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg zusammenbrach, probierten sie es nochmals – diesmal mit Erfolg. Seither hüten sie die heiligen Stätten des Islam. Ibn Saud arrangierte ich mit den wahhabitischen Mullahs, denen er seine Königskrone verdankte. Radikale Gruppen bekommen Geld aus Riad. Die saudische Herrscherfamilie hofft offenbar, auf diese Weise das eigene Land vor Terroranschlägen bewahren zu können. Die Extremisten, so meint sie, würden doch nicht die Hühner schlachten, die ihnen täglich frische Eier lieferten. Aber im Orient ticken die Uhren anderes. Die Fanatiker rechnen sich längst aus, was sie alles mit den Öl-Dollars machen könnten, wenn es ihnen gelänge, den Königspalast zu stürmen und ihre eigene Diktatur – eine totalitäre wahhabitische Wüstenrepublik – zu errichten. Im Weltmaßstab gesehen sind die radikalen Gewalttäter nur eine kleine Minderheit unter den Muslimen. Ausgestattet mit der Macht und dem Geld Saudi-Arabiens aber wären sie eine tödliche Gefahr für die Menschheit. Deshalb hat der Westen derzeit keine andere Wahl, als gemeinsam mit den in Riad Regierenden gegen den Terrorismus zu kämpfen. Eines wenigstens hat der saudische Sicherheitsapparat erkannt: Man muß in die geheimen Netze eindringen, um sie von innen zerreißen zu können. Das ist die Antwort auf das neue Bedrohungsszenario. Der internationale Terrorismus wendet sich „weichen Zielen“ zu: Schulen, belebten Plätzen, Verkehrsmitteln oder Einkaufszentren. Es wäre unsinnig, wollten Beamte jedes Gepäckstück kontrollieren, das beispielsweise im abendlichen Berufsverkehr in einem Waggon oder Bus abgestellt wird. Verbrechen entstehen im Kopf. In Geheimbünden werden sie geplant: erst die Idee, dann die Tat. Der Aufmarsch erfolgt im Untergrund. Kein Streifenpolizist hört oder sieht ihn. Vorbeugende Abwehr ist notwendig: Agenten an die Front! Verteidigung genügt nicht. Es ist Zeit für eine Großoffensive im Schattenreich der Geheimdienste. Wir müssen den Krieg gegen den Terror gewinnen. Zielführende Konzepte legt unter anderem das Münchener „Centrum für angewandte Politikforschung“ vor. Es fordert die Schaffung eines „EU-Sicherheitsrates“, der alle Bereiche der Terrorbekämpfung europaweit steuert. Polizei und Geheimdienste sollen ausgebaut werden. Anti-Terror-Experten feilen an immer neuen Plänen zur Abwehr immer neuer Gefahren. Das österreichische Bundesheer übt – gemeinsam mit Polizei und Gendarmerie – den Kampf gegen Terroristen. Der Mitteleuropäische Katholikentag in Mariazell wurde von Soldaten geschützt. Dies macht deutlich: Innere und äußere Sicherheit verschmelzen zu einer Einheit. Der schmutzige Krieg im Zeitalter des Terrorismus zwingt zum Umdenken. Aus einem Guß muß die Arbeit sein: Geheimdienste, Polizei und Streitkräfte gehören unter ein gemeinsames Dach. In vielen EU-Staaten wächst die Entschlossenheit, noch enger zusammenzuarbeiten und den Terrorismus – die Pest des 21. Jahrhunderts – zu besiegen. Wir brauchen eine europäische Sicherheitszentrale nach dem Muster des amerikanischen Heimatschutzministeriums mit einheitlichen Datenbanken. Die Zeit ist reif für den Aufbau eines gemeinsamen europäischen Geheimdienstes, der die verdienstvolle Arbeit der nationalen Nachrichtendienste koordiniert und optimiert. Denn die Pest ist in Europa angekommen. Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. Die Vereinigten Staaten sind uns auch auf diesem Gebiet einen Schritt voraus. „Alarmstufe Orange“ ist keine Seltenheit. Die Menschen in den USA rechnen mit allem. Abwehr gehört zum Alltag. Seit dem 11. September 2001 rückt die Sicherheitspolitik ins Zentrum des Denkens. Der Krieg gegen den Terror bleibt Dauerthema. Er muß grenzüberschreitend geführt werden. Was immer Amerikaner tun, sie erwarten Zustimmung und hoffen auf Applaus. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich von ihren Vettern an der Themse. Als die Briten noch Weltmacht spielten, krähte in London kein Hahn danach, ob andere Völker das Empire sympathisch fanden. Die Engländer wollten respektiert und gefürchtet werden – nicht geliebt. Amerika trat das Erbe des britischen Weltreiches an. Aufgaben als Ordnungsmacht verschmelzen mit dem Kampf gegen den Terror. Gaddafi war lange Zeit Pate gewalttätiger Organisationen in aller Welt. Unter dem Druck Washingtons lenkte er ein und sucht heute die Zusammenarbeit mit dem Westen. Die Amerikaner sehen darin eine weitere Rechtfertigung ihrer harten Haltung gegenüber terrorbereiten Diktaturen. Auch die pakistanische Militärregierung zeigt sich kooperativ wie nie zuvor. Der kürzlich verhaftete Khalfan Ghailani war an den Bombenanschlägen gegen die US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt. Ghailani ist das vierte ranghohe Al-Kaida-Mitglied, das in Pakistan zur Strecke gebracht wurde. Vor ihm waren Ramzi Binalshib, Abu Zubaydah sowie der Chefplaner der Anschläge vom 11. September 2001, Khalid Mohammed, ins Netz gegangen. Insgesamt zogen die Pakistani mehr als fünfhundert Al-Kaida-Terroristen aus dem Verkehr. Die meisten wurden den Amerikanern übergeben. Da die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als einzige Weltmacht übriggeblieben sind, sehen sie sich in der Rolle des Weltpolizisten. Jeder Anschlag wirkt wie eine Impfung. Er stählt die Abwehrkraft und läßt Wellen des Patriotismus aufbranden. Die Schaumkronen dieser Wellen sind im Fernsehen zu besichtigen: „Amerika schlägt zurück“ (ABC); „Amerika steht auf“ (CBS); „Amerika vereint“ (Fox). Aus dem Krieg gegen den Terror geht Amerika gestärkt hervor. In Joachim Fernaus Buch „Caesar läßt grüßen“ heißt es, das Römische Reich sei an seinem Ende mit niemandem zusammengeprallt und nicht in einer Kurve verunglückt – sondern verfault. Die Amerikaner lernen aus der Geschichte. Sie wissen: Die Bedrohung durch Terroristen ist grenzenlos. Ihre Abwehr kann nur gemeinsam erfolgen. Die westliche Zivilisation verfügt über die Mittel zur Verteidigung. Ihr europäischer Teil braucht freilich – aus der Sicht Washingtons – noch eine geistige Wurzelbehandlung, um den gleichen Härtegrad wie der amerikanische zu erlangen. Die Feuerbälle, die aus dem World Trade Center schossen, wirken im Rückblick wie ein Gluthauch der Geschichte, der den Westen davor bewahrt, es den alten Römern gleichzutun und durch Muskelschwund wehrlos zu werden. Selbstlähmung ist die größte Gefahr für satte Völker. Der internationale Terrorismus schärft das Bewußtsein, daß Frieden nur durch Stärke nachhaltig zu sichern ist. |